Pyranja Biography

Seit mehr als zehn Jahren geht Pyranja nun schon ihren Weg durch die deutsche Rap-Landschaft. Mittlerweile ist sie nicht mehr „nur“ Künstlerin, sondern betreibt ihr eigenes Label und kennt das Business aus nahezu jeder erdenklichen Perspektive.

 

Geboren und aufgewachsen in Rostock, kommt Pyranja bereits im Alter von zwölf Jahren das erste Mal mit der HipHop-Bewegung in Kontakt und ist fasziniert von Musik und Kultur. „Plattenläden gab es damals bei uns nicht, deswegen sind wir immer nach Polen gefahren, um uns dort mit raubkopierten Tapes einzudecken“, beschreibt sie ihre Anfangstage.

 

Da im Rahmen der Kunstform HipHop der Übergang vom Konsumenten zum Aktivisten jedoch bekanntlich fließend ist, entschließt sich Pyranja, selbst kreativer Teil der Subkultur zu werden. Sie versucht sich am Breaken und Malen; mit 16 Jahren beginnt sie schließlich Raptexte zu schreiben. Ein Jahr später bekommt sie bei einer Open Mic Veranstaltung erstmalig das Mikrofon in die Hand gedrückt, um es seit diesem, nachhaltig prägenden Moment, nicht mehr loszulassen.

 

Nach einem einjährigen Aufenthalt in den USA zieht Pyranja 1998 von der Küste in die Hauptstadt, um sich persönlich wie musikalisch weiterzuentwickeln. Es entwickeln sich erste Kontakte zu Berliner Rapcrews und DJs, aus denen verschiedene Kollaborationen und Aufnahmen entstehen.

 

Für deutschlandweite Furore sorgt Pyranja im Jahre 2001, als sie gemeinsam mit Curse, DCS, Tefla & Jaleel und Lenny auf erfolgreiche „Feuerwasser“-Tour geht. Getragen vom inspirierenden Geist der Tour formieren sich die Beteiligten zum "Swingerclub“-Projekt und veröffentlichen noch im selben Jahr eine gleichnamige, nicht unkontroverse Single.

 

Nach dieser Erfahrung beschließt Pyranja, die ganze Sache noch ernster zu nehmen und veröffentlicht 2001 ihre Debüt-EP „Im Kreis“ auf dem seinerzeit neu formierten DefJam Deutschland-Ableger. Trotz völligen Verzichts auf musikalische Angepasstheiten und Kompromisse, gelingt ihr auf Anhieb ein respektabler Einstieg in die deutschen Single-Charts. Eine erste Duftmarke ist gesetzt. Schon in diesem Rahmen deutet Pyranja an, wofür sie in kreativer Hinsicht steht: Emotionale und daher ehrliche Inhalte, äußerst bildhafte Texte und ein technisch ausgereifter, direkter Flow.

 

Darauf werden im Jahre 2002 auch die Mainstream-Medien aufmerksam - das ZDF klopft an. In der Dokumentation „Will einmal bis zur Sonne gehn", die sich mit dem Weg von Frauen im deutschen Rap-Zirkus beschäftigt, kommt Pyranja neben Cora E. und Brixx ausgiebig zu Wort und Bild.

 

Im Vordergrund stehen seinerzeit jedoch die Arbeiten an ihrem Debütalbum. Tragischerweise schließt kurz vor dessen Veröffentlichung das in Deutschland so ambitioniert gestartete Label DefJam seine Pforten und sorgt erstmalig für einen Rückschlag in Pyranjas bislang so geradlinig verlaufener Karriere.

 

Nahezu unbeeindruckt und gestärkt durch die Erfahrung macht sie jedoch weiter und veröffentlicht das Album schließlich unter der Flagge von Dackel Enterprise. Anfang 2003 steht „Wurzeln & Flügel“ in den Läden und setzt den Weg von „Im Kreis“ konsequent fort: Auf das Wesentliche reduziert und doch musikalische Beats treffen auf poetische und technisch ausgereifte Raps. Ihren persönlichen und subkulturellen Wurzeln verpflichtet, erzählt Pyranja Geschichten, die Flügel bekommen. „Ich versuche das Konkrete immer so abstrakt wie möglich zu beschreiben. So dass jeder die Story fühlen und die eigenen Erfahrungen reflektieren kann.“

 

In der Folgezeit ordnet Pyranja ihre musikalische Infrastruktur neu. Um alle, die Musik und das Business betreffende Entscheidungen selbst treffen und auch durchsetzen zu können, gründet sie 2004 ihr eigenes Label "Pyranja Records" und beginnt mit dem Ausbau ihres eigenen Netzwerkes. „Dieser Schritt war extrem wichtig für mich. Nach meinen nicht immer guten Erfahrungen mit der Musikindustrie war es nur logisch, diesmal die Zügel in die eigene Hand zu nehmen. Ich hatte einfach keine Lust mehr, Fehler von Anderen akzeptieren zu müssen.“

 

Mit ihrem zweiten Studioalbum „Frauen und Technik“ stellt Pyranja ihre Eigenständigkeit und Fähigkeit zur Weiterentwicklung im selben Jahr auch wieder musikalisch unter Beweis. Eindrucksvoll zeigt Pyranja, dass sie Dank ihrer über die Jahre stetig ausgebauten Skills so etwas wie einen Lady Bonus im nach wie vor stark „jungslastigen“ Rap-Spiel nicht nötig hat. Für die Beats von „Frauen und Technik“ zeigt sich vor allem das Produzententeam „Alphabeatz“ aus Berlin verantwortlich. Die Aufnahmen entstehen im legendären Hansa Studio am Potsdamer Platz. 

 

Mit ihren Berlinern Jungs vom Ostblokk bringt Pyranja ebenfalls 2004 den Longplayer „Einmal um Blokk“ auf den Markt. Die Crew um Joerilla, SeraFinale, DraQ und Jamie Whyte beweist mit diesem Album, dass sie zu Recht seit Jahren eine der festen Größen der Berliner Hip Hop Szene ist.

 

Und Pyranja steht erneut vor der Kamera: In Tim Hastreiters ob seiner Authentizität viel beachteten Kinofilm „Status Yo“ besetzt sie eine Nebenrolle. Der Film lief im Winter 2004 in den deutschen Kinos. Neben der Arbeit als Künstlerin und Label-Betreiberin ist Pyranja seit fast zwei Jahren auch pädagogisch in Sachen Rap unterwegs. Regelmäßig führt sie im Rahmen der „Culture on the Road“ Rapworkshops an Schulen durch und gibt dort ihre Erfahrung weiter. Quasi „nebenbei“ feilt sie an ihrem Abschluss an der Universität der Künste in Berlin.

 

Auf der Suche nach neuem musikalischen Input trifft sie im Sommer 2005 auf den Pianisten und Elektroproduzenten Holger Laudert sowie den Jazztrompeter und Sänger Lukas Fröhlich. Aus der Zusammenarbeit entsteht die Maxi „Pyranja vs. Laudert & Fröhlich“. Ein Schmuckstück musikalischer Bandbreite und zugleich die dritte Veröffentlichung von Pyranja Records, die erstmalig ausschließlich digital vertrieben wird.

 

Rückblickend stellt sie fest: „Das zweite Album wollte ich vor allem deshalb machen, weil ich mir und allen beweisen wollte, dass ich es allein schaffe. Bei der Arbeit an meinem neuen Album hilft mir diese neu gewonnene Sicherheit und ich kann künstlerisch noch viel freier rangehen.“

 

Pyranjas drittes Album wird daher ihr bislang persönlichstes werden. Die Schulden sind bezahlt, es ist bewiesen, was zu beweisen war – was bleibt, ist nichts als offener Raum. Platz genug, um die Person von Pyranja in den Vordergrund zu stellen. Das Ergebnis ist ein hör- und spürbar „freies“ Album, sehr nah an der Anja in Pyranja.

 

Auch musikalisch birgt ihr drittes Album einiges an Überraschungen: Schnörkellose und direkte Beats verbinden sich mit Elektro-Einflüssen, Dancehall-Vibes und vereinzelt sogar verzerrten Gitarren, zu einem bislang ungehört vielfältigen, unorthodoxen Klangbild. Im Ergebnis entstehen Tracks, auf denen man Pyranjas Raps zunächst gar nicht erwartet, um es dann nicht mehr erwarten zu können, sie erneut zu hören.

 

Die Bandbreite der beteiligten Produzenten ist dementsprechend weit gefächert. Mittelpunkt des Albums bilden die Produktionen von Roe Beardie von Headrush (Olli Banjo, Sido etc.). Hinzu kommen Tracks unterschiedlichster Beatbauer, unter anderem von Greg Danielz und dem Schweden Jimmy LeDrac. 

 

Textlich präsentiert Pyranja in ihrer so unvergleichlichen Art die unterschiedlichsten Facetten und schafft scheinbar mühelos den Spagat von bildhaftem Storytelling, ehrlichen Innenansichten und klassischen Battletracks.

 

Ihr Talent, ihre Präsenz und Eigenständigkeit sind mittlerweile auch den sogenannten Medienentscheidern aufgefallen. So wird sie aufgrund einer entsprechenden Anfrage der TV Produktionsfirma Brainpool beim nächsten "TV Total Bundesvision Songcontest" mit dem Track "Nie Wieder" ihr Geburtsbundesland Mecklenburg Vorpommern repräsentieren.

 

Es war ein weiter Weg von Rostock bis zum Hier und Jetzt, doch Pyranja ist ihn zielstrebig Schritt für Schritt gegangen, ohne sich aufhalten zu lassen. Nun ist sie bereit für das nächste Level – wer geht mit?!